Nach dem Studium

Headerbild

Wie geht es weiter nach dem Studium? – 2 Erfahrungsberichte

Controllerin in einem Industrieunternehmen

Heute, zwei Jahre nach Abschluss meines sechsjährigen Wirtschaftsingenieurstudiums, bin ich als Controllerin in einem Industrieunternehmen tätig. Zu Beginn meines Studiums hätte ich mir unter dieser Berufsbezeichnung nichts vorstellen können. Einen Wirtschaftsingenieur stellte ich mir abstrakt als das Bindeglied zwischen den Kaufleuten und den Ingenieuren oder Technikern vor. In meiner heutigen Tätigkeit bin ich im Wesentlichen auf der Seite der Kaufleute tätig, analysiere das Unternehmensergebnis und erörtere die Wirtschaftlichkeit von Projekten. Aber tatsächlich lernt ein Wirtschaftsingenieur im Studium beide Seiten kennen und verstehen. Während ich momentan vordergründig das Basiswissen anwende, das ich im Grundstudium in Veranstaltungen wie Buchhaltung und Kosten- und Leistungsrechnung erworben habe, würde ich meine Vorlesungen in Elektrotechnik und Mathematik, Wirtschaftspolitik und Arbeitsrecht nicht missen wollen. Gerade für einen Controller, aber auch für unzählige weitere Tätigkeiten, die ein Wirtschaftsingenieur nach abgeschlossenem Studium aufnehmen kann, ist es wichtig, sich in kurzer Zeit neben seiner Kernkompetenz in andere Fachgebiete hineindenken zu können. Drohende Verluste aus Rechtsstreitigkeiten kann der Controller nur dann sinnvoll kostenrechnerisch behandeln, wenn er die Ausführungen seines Kollegen des Juristen zum Hintergrund versteht, während er auf der anderen Seite die Wirtschaftlichkeit einer geplanten Produktionsanlage nur dann kritisch prüfen kann, wenn er sich in kurzer Zeit mit der Technologie sowie eventuell veränderbaren Marktbedingungen vertraut machen kann. Ein Wirtschaftsingenieur erfüllt diese Voraussetzungen, da er in seinem Studium täglich mit den verschiedensten Wissensgebieten konfrontiert wird, nach der Übung in Elektrotechnik die Vorlesung in Wirtschaftspolitik besucht und nachmittags eigenständig einen Fall in Handelsrecht lösen muss.

Durch das anspruchsvolle und arbeitsintensive Studium werden die Studierenden auf die heute immer höheren Anforderungen des Berufslebens vorbereitet. Die TU Darmstadt bietet dafür mit den gut ausgestatteten Ingenieurfachbereichen sowie den für Praktika und Studien- und Diplomarbeiten interessanten Industriekontakten der Wirtschaftswissenschaften einen hervorragenden Ausgangspunkt. Für die zunehmende Internationalisierung vieler Berufsfelder unerlässlich sind die zahlreichen Möglichkeiten, während des Studiums an Partneruniversitäten oder in Praktika Erfahrung im Ausland zu sammeln.

© Barbara Thomas, Wirtschaftsingenieurin (Fachrichtung Elektrotechnik)

Erst Forschung und Lehre, dann in die Wirtschaft

Ich habe bis 1999 Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt studiert. Danach war ich fünf Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkswirtschaftslehre und habe meine Doktorarbeit geschrieben. Jetzt arbeite ich seit einem Jahr bei einem Wissenschaftsverlag und entscheide, welche Bücher im Bereich Wirtschaft und Wirtschaftsinformatik veröffentlicht werden. Das Darmstädter Studium hat mich sehr gut sowohl auf meine wissenschaftliche Arbeit an der Hochschule als auch auf die spätere Arbeit in einem Unternehmen vorbereitet. An der Hochschule war es meine Aufgabe selbständig Forschungsprojekte durchzuführen, Artikel für Fachzeitschriften zu schreiben, meine Ergebnisse auf Tagungen vorzustellen und mit anderen Forschern zu diskutieren. Außerdem hatte ich Übungen für das Grundstudium zu organisieren und Klausuraufgaben zu erstellen und zu korrigieren. Für beide Tätigkeiten (Forschung und Lehre) benötigt man solide Grundlagen aus dem Studium, die man im (zugegebenermaßen vergleichsweise aufwändigen und anstrengenden) Studium in Darmstadt sehr gut vermittelt bekommt.

Später in meiner Tätigkeit im Verlag habe ich wieder viele dieser Grundlagen gebrauchen können, viel wichtiger ist allerdings in meiner täglichen Arbeit die Fähigkeit, mich schnell in neue Situationen hineinversetzen zu können, und flexibel darauf zu reagieren. Ich muss meine Arbeit selbst organisieren, mir neues Wissen aneignen und mich viel mit meinen Kollegen koordinieren. Dazu gab es zwar keine Vorlesung und keine Übung während dem Studium, aber als WI ist man trotzdem gut darauf vorbereitet: diese Fähigkeiten eignet man sich automatisch selber an, wenn man sich auf Prüfungen in Lerngruppen vorbereitet, sich seinen Stundenplan individuell zusammenstellt oder einen Auslandsaufenthalt vorbereitet. Ein Auslandsaufenthalt (oder auch mehrere) ist übrigens mehr als empfehlenswert, er erhöht die Chancen auf einen interessanten Job enorm und ist auch eine unglaublich tolle persönliche Erfahrung. Schwieriger ist eine Empfehlung, welche Vorlesungen wichtig sind. Welchen Fächern man tatsächlich später wieder begegnet, ist sehr von der Branche und Tätigkeit des späteren Berufs abhängig. Unabhängig davon profitiert man aber sehr von den Seminaren, Studienarbeiten, der Diplomarbeit und natürlich dem Praktikum. Insgesamt ist die TU Darmstadt für Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik sehr zu empfehlen. Die Uni genießt in der Wirtschaft einen sehr guten Ruf und sie gibt sich bei der Ausbildung wirklich viel Mühe.

© Dr. rer.pol. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Niels Peter Thomas