Neues Innovationslabor zum Kombinierten Verkehr geht in Betrieb

Interview mit Professor Ralf Elbert über die zukünftige Kombination von Logistik und Mobilität

2021/09/06

Das Fachgebiet Unternehmensführung und Logistik der TU Darmstadt nimmt am Montag (30.8.) im Rahmen der Veranstaltung „Forum Kombinierter Verkehr“ sein neues Innovationslabor zum Kombinierten Verkehr im Frankfurter House of Logistics and Mobility (HOLM) in Betrieb. Eröffnet wird das Innovationslabor von Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, Vorstand Güterverkehr der Deutschen Bahn AG und Vorsitzende des Vorstands der DB Cargo AG, und Professor Jens Schneider, Vizepräsident der TU Darmstadt für Transfer und Internationalisierung.

Über die Vorteile des Kombinierten Verkehrs sowie die Ziele und Zielgruppen des Innovationslabors spricht im Interview Professor Ralf Elbert, der Leiter des Fachgebiets Unternehmensführung und Logistik am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

TU Darmstadt: Herr Professor Elbert, was ist Kombinierter Verkehr und worum geht es in der Forschung dazu?

Prof. Ralf Elbert: Der Kombinierte Straßen-/Schienengüterverkehr verbindet den Straßengüterverkehr im Vor- und Nachlauf mit dem Schienengüterverkehr im Hauptlauf. Darin sehen wir die Chance, die spezifischen technologischen Stärken verschiedener Verkehrsträger, entsprechender Ladeeinheiten und Umschlagstechnologien adäquat zu kombinieren. So kann der Kombinierte Verkehr einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Denn durch eine Verlagerung von Verkehren auf umweltfreundliche Verkehrsträger wie die Schiene können der CO2-Ausstoß sowie andere negative externe Effekte wie beispielsweise die Belastung der Straßeninfrastruktur reduziert werden.

Es bleibt die Frage, was in diesem Zusammenhang eine adäquate Kombination ist? Hier knüpfen wir mit unserer Forschung an, die sich auf die methodisch-basierte und instrumentell-anwendbare Unterstützung der Planung sowie Analyse von Transport- und Logistiksystemen konzentriert.

Was sind die Ziele des Innovationslabors?

Mit dem „Innovationslabor Kombinierter Verkehr“ im HOLM, dem House of Logistics and Mobility, verfolgen wir das Ziel, den vielfältigen Dialog mit unterschiedlichen Personen aus der Transport- und Logistikbranche, aber auch aus der Politik und Gesellschaft zu fördern. Damit können wir einen Ergebnistransfer leisten und bekommen gleichermaßen die praktische Anwendbarkeit unserer Lösungen reflektiert sowie neue innovative Forschungsfelder aufgezeigt.

Neben grundlegenden Informationen stellen wir insbesondere innovative Forschungsergebnisse zur Steigerung der Produktivität und Effizienz des Kombinierten Verkehrs vor. Dabei berücksichtigen wir auch die Sicht der Gesellschaft auf die Erreichung der Klimaziele und die Reduzierung anderer negativer externer Effekte, realisiert durch Verkehrsvermeidung, Verkehrsreduktion und Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsträger.

Um all dies „begreifbar“ zu vermitteln, stehen ausgewählte Aufgabenstellungen rund um den Kombinierten Verkehr an einem Interaktionstisch bereit. Die entsprechenden Lösungsansätze können an den spezifischen Stationen für Spediteure, Terminals und KV-Operateure thematisch vertieft werden. Hierzu haben wir unsere Forschungsergebnisse speziell für die Touch-Screens an den Stationen zum „Selbst-Studium“ aufbereitet. Die detaillierte Funktionsweise unserer Lösungsansätze erläutern wir gerne im Besprechungsbereich und können hier wie in einem Labor weitere Simulationsexperimente durchführen und neue Optimierungsverfahren erproben.

Und welche Zielgruppen haben Sie im Blick?

Mit unserem multifunktionalen „Innovationslabor Kombinierter Verkehr“ im HOLM sprechen wir gleichzeitig mehrere Zielgruppen an. Zusammen mit den am Kombinierten Verkehr beteiligten Unternehmen möchten wir die Leistungsfähigkeit des Kombinierten Verkehrs weiter steigern und dabei sowohl Verlader als auch die Politik begeisternd einbinden. Begeistern möchten wir auch unsere Studierende, die hier im Labor neue Ideen für den Kombinierten Verkehr erarbeiten, diskutieren und erproben können.

Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit mit dem HOLM?

Mit dem Innovationslabor soll ein möglichst praxisnaher, interaktiver und inspirationsfördernder „Raum“ für den Kombinierten Verkehr entstehen. Mit Leben gefüllt wird der Raum durch Projektpräsentationen und -besprechungen, Lehrveranstaltungen, aber auch durch interessierte Besucher. Dafür bietet sich das HOLM als unabhängige und neutrale Entwicklungs- und Vernetzungsplattform zur Gestaltung der Zukunft von Logistik und Mobilität im besonderen Maße an.